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Bei der Arbeit unter hellem Licht und in schweren Kitteln kann es bei Operationen für Ärzte und Krankenschwestern unangenehm heiß werden. Deshalb werden Operationssäle traditionell recht kühl gehalten. Das führt dazu, dass auch der chirurgische Patient ziemlich kalt ist – sogar leicht unterkühlt. Die Körpertemperatur kann um 4 Grad sinken. Früher glaubten die Ärzte, dass eine leichte Unterkühlung für den Patienten sogar gut sei, weil Kälte das Wachstum von Bakterien in der Luft hemmt. Doch einer neuen Studie zufolge verdreifachen die kalten Temperaturen in Operationssälen das Infektionsrisiko sogar.

Die Ursache für Wundinfektionen sind nicht wirklich Bakterien, die in der Luft herumschwimmen, sondern die verminderte Widerstandsfähigkeit des Patienten gegenüber Bakterien auf der Haut oder im Körperinneren, sagt Daniel Sessler, Anästhesist an der University of California in San Francisco und der Universität Wien. Um herauszufinden, wie sich die Temperatur im Operationssaal auf diese Resistenz auswirkt, untersuchten Sessler und seine Kollegen 200 Patienten, die sich einer kolorektalen Operation unterzogen. Bei 104 Patienten wurde die Körpertemperatur durch erwärmte intravenöse Flüssigkeit und Decken mit Zwangsbelüftung (eine Art Bettdecke, durch die warme Luft geblasen wird) normal gehalten. Die anderen 96 Patienten wurden während der Operation nicht gewärmt, und ihre Körpertemperatur sank auf durchschnittlich 94,5 Grad.

Wundinfektionen, so fand Sessler heraus, traten bei 19 Prozent der Patienten auf, die unterkühlt werden durften, aber nur bei 6 Prozent der erwärmten Patienten. Nicht aufgewärmte Patienten blieben außerdem fast drei Tage länger im Krankenhaus.

Die Unterkühlung senkt wahrscheinlich den Widerstand des Körpers auf zwei Arten, sagt Sessler. Erstens wird durch die niedrige Körpertemperatur der Blutfluss – und damit die Sauerstoffzufuhr – zur Wunde verringert. Sauerstoff ist für die Bekämpfung von Infektionen unerlässlich, sagt er. Das körpereigene Immunsystem spaltet molekularen Sauerstoff in hochreaktiven atomaren Sauerstoff auf. Immunzellen setzen diesen Sauerstoff in der Nähe von Bakterien frei. Dadurch werden sie abgetötet, sagt Sessler. Hypothermie hemmt auch direkt viele Funktionen des Immunsystems. Die Zellen und Enzyme, die für die Immunität verantwortlich sind, arbeiten einfach nicht gut, wenn der Körper kalt ist, sagt Sessler.

Ich denke, dass Erwärmung in kürzester Zeit zum Standard der Behandlung werden wird, sagt Sessler. Nichts davon ist schwierig, und nichts davon ist teuer. Menschen warm zu halten, kostet weniger als 30 Dollar, was im Vergleich zu einer Operation nichts ist. Aber es macht einen großen Unterschied im Hinblick auf das Ergebnis, ist im Wesentlichen risikofrei und reduziert die Kosten. Es liegt also auf der Hand, dass man die Menschen warm halten sollte.